Norge på langs

Es gibt viele Langdistanzwanderwege auf der Welt, sei es in England der Coast to Coast , der Appalachian Trailund der wohl längste Pacific Crest Trail, beide in Amerika. Norwegen hat seinen eigenen Weg….“Norge på langs“ oder zu Deutsch: Norwegen der Länge nach. Distanz je nach Ausführung c.a 2600 Km. Startort ist meist Kap Lindesnes im Süden und Zielort ist das Nordkap an Norwegens nördlichstem Punkt. Ob von Süd gegen Nord oder Nord gegen Süd liegt in der Entscheidung des Läufers, und richtete sich meist nach den saisonalen Bedingungen.

Anders als bei den meisten anderen Fernwanderwegen, existiert bei Norge på langs keine festgelegte Route, keine Zeit- oder Jahreszeitvorgabe. Dies führt dazu, dass sich die meisten Tourberichte voneinander unterscheiden und so jeder seine individuelle Tour begehen kann. Bei rund 15 – 25 Begehungen jährlich, ist die Tour eine der am wenigsten besuchten Touren überhaupt. Die Gründe dafür liegen wohl an der Geographie, der Einsammkeit Norwegens, sowie der zum Teil rauhen, meteorologischen Verhältnisse. Das Gesicht Norge på langs hat sich über die vielen Jahrzehnte wie vieles andere auch, immer mehr verändert. Wie der Namen der Tour ja schon andeutet, wäre es eine Tour welche Norwegen der Länge nach durchquert. Auf heutigen Touren, werden aber bisweilen rund 10 – 15 Prozent der Strecke auf schwedischem, wie auch finnischem Boden bewältigt. Das Wanderwegnetz rund um die bekannten Fernwanderwege wie Kungsleden, Nordkalottleden oder Nordlandsruta ist heute gut ausgebaut, es tummeln sich viele hundert Hütten entlang dieser Wege, Fähren fahren über grosse Seen und es führen zum Teil gut ausgebaute Strassen quer über die Hochfjells. Doch es ist nicht Bequemlichkeit die die NPL – Läufer dazu bewegt sich auf solche „Hilfsmittel“ einzulassen, es ist zum grossen Teil die Zeit und die Verhältnisse die den Weg bestimmen. Und warum soll man in 3-4 Tagen mühsam in dickem Buschwerk um einen See herumlaufen, wenn man es in einer halben Stunde per Fähre über den See haben kann, und sich so mehr Zeit für die phantastische Landschaft nehmen darf. In den letzten 10 Jahren hat es ( offiziell bekannt ) keine 5 Personen gegeben, welche das „ursprüngliche“ Norge på langs, also die Route innerhalb der norwegischen Grenzen, bewältigt haben. Wer sich darauf einlässt, wird aber 100% Wildniss vorfinden, welche sich mit jener in Alaska oder dem Yukon ohne weiteres messen kann. 

Routenwahl

Wie schon am Anfang betont, liegt die Routenwahl frei. Waren früher viele verschieden Varianten erlaufen worden, hat sich in den letzten Jahren vieles vereinheitlicht und Planungen ähneln sich sehr stark. Eine der am häufigsten begangenen Routen, ist hier auf dieser Skizze einsehbar. ( Zum vergrössern, anklicken ).

NPL Skizze

Oft werden Routenplanungen untereinander ausgetauscht. Der Aufwand ganz Norwegen und möglichen Proviantstellen durchzuplanen, erfordert viel Zeit und Geduld. Heutzutage hat man mit dem Internet aber immer grössere und bessere Möglichkeiten eine vollständige Planung voranzutreiben. Fraglich am Ganzen ist natürlich, will man die Strecke schon hundert Mal mit Google Earth virtuel abgelaufen sein, bevor man es in echt sehen kann ?? Sämtliche Informationen liegen auf den Smartphones bereit, GPS ist mit 4 Gigabyte Topographiekarten geladen etc. ! Nun, das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen, ich denke etwas Improvisation darf ruhig mit dabei sein, und….. ich durfte dies selbst miterleben wie meine Planung schon am dritten Tag über den Haufen geworfen wurde. Viel Arbeit ging verloren und kurzfristiges Planen war angesagt. 

Wie eine Planung aussehen kann: Google Maps / Norgepalangs2013.com   Speziell an meiner Planung ist natürlich die Teilung über 2 Jahre!

Wer Wert darauf legt nur in Norwegen zu laufen, wird sich vorallem um das Gebiet zwischen Sulitjelma und Abisko kümmern müssen. Diese Strecke ist komplett Weg- und Hüttenlos, hat ein paar Knackpunkte drin wie eine Gletscherüberschreitung und einige Gebirgsverläufe. Wer sich dies zumutet wird viel Zeit investieren müssen, wird aber mit Sicherheit eine der grandiosesten Gegenden Norwegens erleben dürfen. Selbstverständlich ist es möglich dem Küstenverlauf zu folgen, man wird aber hier auf viele Strassenkilometer treffen. Mit Sicherheit eine Herausforderung!

Ob es von Süden nach Norden, oder von Norden nach Süden geht, liegt wohl in der Präferenz ob man von der Einsammkeit ins Besiedelte oder umgekehrt gehen möchte. Vielleicht noch, ob man in die Sonne sehen, oder sie im Rücken haben will….. Ist bei der Frage des Start / Zielortes im Süden der Fall ziemlich klar mit dem Kap Lindesnes und dem Leuchtturm, so unklar ist diese Frage im Norden. Als erstes denkt man sicher an das Nordkap mit seinen hohen Felsen und der stählernen Weltkugel am Nordkapcenter. Hier ist der nördlichste Punkt Norwegens und somit Europas. Falsch, denn westlich neben dem Nordkap-Felsen, befindet sich eine kleine Landzunge mit dem Namen Knivskjellodden. Bei der Erschliessung durch den Tourismus war die Landzunge weit weniger spektakulär als die hohen Felsen, und so hat man den nördlichsten Punkt etwas versetzt. Nun werden uns aber gerade die Norweger nochmals eines besseren belehren. Es fällt auf, dass vorallem norwegische NPL Läufer ihre Tour am Nordkinn beginnen oder beenden. Warum das ? Kap Lindesnes ist der südlichste Festlandpunkt Norwegens und Kinnarodden am Nordkinn der nördlichste Festlandpunkt Norwegens. Denn, das Nordkap und Knivskjelodden befinden sich auf der Insel Magerøya und sind nur durch einen Strassentunnel mit dem Festland verbunden. Wer das Haar in der Suppe sucht, der findet es sicher hier….. Der Weg nach Kinnarodden ist allerdings gerade auf den letzten 25 Kilometer sehr beschwerlich, daher wählen doch einige den bequemeren Teil mit dem Nordkap und seinen Verkehrsmitteln für die Rückfahrt. ( Kartenausschnitt Nordkap/Nordkinn )

Nordkap

Kartenausschnitt: ut.no

Wer einen ersten Eindruck in die Planung haben will, soll sich mit den hervorragenden Online Karten von ut.no ( Norwegen ) , Landmateriet ( Schweden ) , Retkikartta ( Finnland ) , ein Bild machen. Weiter wird die Liste der Norge på langs Touren von Odd Vinje, auf welcher in den letzten 10 Jahren viele Reiseberichte auf Blogs und Webpages kreiert wurden, einen bunten Mix an Möglichkeiten und Eindrücken vermitteln.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Varianten, wie man saisonal die Tour begehen kann ( hier ist explizit die reine Lauf und/oder Skitour gemeint ).

Wintertour    Ice_Skiing_Map_Sign_clip_art_small

Sie gilt als die einfachste Variante, muss aber gleich mit einem grossen „Aber“ versehen werden. Wer sich entscheidet Norwegen im Winter mit Laufskiern zu durchqueren, wird wohl ein Abenteuer besonderer Art erleben. Die grossen Vorteile im Winter liegen auf der Hand, wenn es um die topographischen Verhältnisse geht. Seen und Flüsse sind zugefroren, Sümpfe, Moore und Buschwerk sind tief unter dem Schnee versteckt, Aufstiege oft einfacher und Abfahrten umso schneller. Das Mehrgepäck im Winter lagerte auf einer Pulka ( Schlitten ) , so wird das Tragen von 25 – 30 Kilogramm überflüssig. Das Vorankommen ist im Winter oft einfacher, hat aber auch seine Tücken. Mit dem „Aber“ sind die z.T. heftigen Schneestürme, die eisigen Temperaturen und die gefährlichen White Outs ( Sicht unter 10 Meter ) gemeint, welche die Tour begleiten können. Es ist nur absoluten Könnern vorenthalten eine solche Tour alleine zu machen, hier empfiehlt sich dringenst einen oder mehrere Partner zu haben. Wer es liebt auch bei Kälte und Schnee zu campieren, wer sich nicht scheut mit viel Gepäck unterwegs zu sein, wird mit Sicherheit eine sensationelle Tour erleben können.

Winter/Sommer – Tour   Hiking_clip_art_small + Ice_Skiing_Map_Sign_clip_art_small

Diese Art der Tour ist wohl die am meisten begangene Variante. Der Grund liegt an der zeitlichen Unabhängigkeit der Jahreszeiten. Obwohl Norwegen ein sehr mildes Klima besitzt, sind aufgrund der geographischen Lage die Sommer relativ kurz, und die jahreszeitlichen Umstürze können oft nur wenige Tage dauern. Wie hat mir ein Same in der Finnmark die Verhältnisse mal bildlich erklärt; „Der Winter dauert Wochen, ja Monate….der Frühling und der Herbst kann Tage oder sogar Wochen dauern…… der Sommer findet vom Vormittag bis Nachmittag statt! “ Wer Ende März / Anfangs April loszieht, wird den verbleibenden Schnee vom Winter in den höheren Lagen gut mit den Skis ausnützen können. Die Umstellung auf das Laufen wird dann meist ab c.a. einem Drittel der Distanz fliessend von statten gehen. Hier wird aber schon das grosse Problem mit der Ausrüstung ersichtlich und auch der Grund, warum zu 95% nur Norweger oder Schweden diese Variante wählen. Die Logistik wird für einen Nichtnordländer sehr umständlich und praktisch kaum umsetzbar, Ausnahme sind Bekannte oder Freunde innerhalb Norwegens, die die Aufgabe der Versorgung übernehmen. Norweger haben den Vorteil, oft über das ganze Land verteilt Familie, Freunde oder Bekannte zu haben, welche die Ausrüstung an gewünschte Orte bringen können. Denn, wer weiss schon wo der Wechsel von Ski zu Wanderstiefel stattfinden wird und ab welchem Punkt der Rucksack zum Einsatz kommt, welcher die Ladekapazität nun auf ein Minimum beschränkt. Die Vorteile liegen darin, dass die Tour ohne weiteres 5 Monate und mehr dauern kann, man also mehr Zeit zur Verfügung hat und alle 4 Jahreszeiten erleben darf.

Sommertour   Hiking_clip_art_small

Die Sommertour kann ruhig als die Königsvariante bezeichnet werden. Nicht nur dass man die Natur in 3 Jahreszeiten erleben kann, man ist auch auf eine bestimmte Zeit beschränkt, und sollte tunlichst dem Winter nicht ins Angesicht sehen. Die Ausrüstung wird auf der ganzen Strecke getragen, sollte daher auch nicht zu schwer sein. Dies bedeutet aber auch, dass man sich beschränken muss was zum Beispiel dicke und warme Kleider angeht. Ab 25 Kilogramm kann das Laufen schon zur Qual werden, gerade wenn die Verhältnisse nicht optimal sind. Der zeitliche Druck ist nicht ganz zu vernachlässigen. Startet man zu früh im Frühling, kann  es noch viel Schnee haben, startet man spät, wird man vielleicht am Kap vom Winter überrascht. Es gilt dies gut abzuwägen und die Verhältnisse müssen oft etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Die Vorteile an dieser Variante sind aber eindeutig in der Mehrzahl. Durch die lichtintensive Zeit, kann ohne weiteres auch in der „Nacht“ gelaufen werden. Die Infrastruktur entlang des Weges läuft in der Saison auf Hochtouren ( bewartete Hütten, Campings, saisonale Shops und Läden ). Auch trifft man, wenn man Wert darauf legt, mehr Menschen entlang der Hauptrouten an. Dies kann in den vielen, einsamen Tagen auch etwas Abwechslung bedeuten. Hinzu kommt die ganze Bandbreite des Wetters, der Fauna und Flora.

Voraussetzungen

Die grösste Voraussetzung eine solche Tour zu machen, ist………. sie zu machen ! Eine Langtour wie Norge på langs kann grundsätzlich jeder machen der über eine einigermassen gute Konstitution verfügt, ein paar „Fränkli“ oder Euros auf der Seite hat, und den Mut hat, es wirklich zu tun. 2600 Kilometer an einem oder mehreren Stücken zu laufen kann man getrost als eine tolle Leistung bewerten, aber es ist keine weltbewegende Tat. Vielmehr ist es die Entscheidung, diesen Schritt zu machen, mehrere Monate aus der Gesellschaft auszutreten, um ein ganz persönliches Ziel zu erreichen. Dies grenzt heutzutage schon an Aussergewöhnlichkiet. Gerade in dieser leistungsorientierten Welt kann dieser Schritt mehr Kraft benötigen als die höchsten Berge zu besteigen. Ein jeder der mit einem gepackten Rucksack an einem Nordkap oder dem Kap Lindesnes, oder sonst einem Punkt dieser Welt steht um eine Reise zu beginnen, hat schon gewonnen, egal wie das Resultat aussieht ! 

Es macht einen grossen Unterschied, ob man eine Langtour mit einem gewissen sportlichen Hintergrund angeht, oder ob „nur“ das Abenteuer zählt. Wer sich einen ganz bestimmten Zeithorizont vorgibt, wird nicht umhin kommen, zwischendurch Kompromisse einzugehen. So mancher wurde während der Tour schon von der Zeit überrascht, und musste vielleicht auf dem letzten Drittel alle verfügbaren Reserven aufbieten, um den Termin noch zu schaffen. Wer nur darauf aus ist, ein Abenteuer zu erleben, sich treiben zu lassen und sich keine Gedanken machen will wann er ankommt, dem kann man sicher empfehlen Norge på langs in 2 oder 3 Etappen zu machen. Es gibt keine Vorgaben oder Ziellinien die unabdingbar erreicht werden müssen, obwohl es immer wieder welche gibt die das behaupten. “ Der Weg ist das Ziel “ gilt auf einer Langtour wohl mehr als sonst irgendwo. Wer sich nicht allzu fest fixiert, kann schlussendlich auch nicht enttäuscht werden, wenn sich etwas in die falsche Richtung entwickelt. So jedenfalls erging es auch mir, als ich die Tour 2013 in der Mitte abbrechen musste. Die Vorfreude auf 2015 überdeckte jegliche negativen Gedanken.

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Gefahren

Eine Langtour wie Norge på langs beinhaltet vorallem eine Gefahr: süchtig zu werden !! Sei es in der Vorbereitung, während der Tour oder in der Nachbearbeitung…..das Suchtpotential ist riesengross. Man wird gefesselt von der Idee “ es “ zu tun, man träumt von Norwegen, man redet nur noch über Norwegen, man wird schon fast zum Norweger. Selbst die Norweger welche in ihrem eigenen Land, in ihrem Zuhause unterwegs sind, erliegen der Faszination von Norge på langs. Doch es ist eine „positive“ Gefahr die da lauert, und ab und zu gibt es sogar jene, die nach der Sommertour auch noch gleich eine Wintertour anhängen um dieser Gefahr nicht ausgeliefert zu sein.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen dass, wer sich gut vorbereitet, einen gesunden Menschenverstand aufweist und sich über die lokalen Verhältnisse bewusst ist, keine grossen Gefahren lauern. Selbstverständlich muss sich jeder bewusst sein, dass die physischen und auch psychischen Belastungen und Probleme hoch sein können, doch sie sind lösbar. Mit einer Ausnahme: Das Essen !!

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Ich habe schon einiges erlebt wenn es um die Ernährung auf Touren geht, doch so etwas wie auf Norge på langs…… definitiv noch nie! Und es zieht sich wie ein roter Faden durch all meine Kontakte mit NPL-Läufern und Langtourern hindurch, das Essen kann zum Problem werden. Obwohl man sich im Vorfeld mit dem Thema auseinandersetzt, wird man während der Tour sehr schnell vor die harte Realität gesetzt. Der Hunger ist spätestens nach 1-2 Wochen ein dauerhafter Begleiter und, obwohl man z.T. enorme Mengen isst, er lässt nicht locker. Die Problematik, gerade während der Sommertour, ist natürlich die beschränkte Kapazität im Rucksack und das Gewicht. Es ist extrem wichtig genügend Proviantstellen ( Depotstellen wie z.B. Postlagernde Pakete ) einzurichten, oder unterwegs die Route so auszurichten, dass genügend Möglichkeit besteht den Proviant aufzufüllen. Von den Ausmassen etwas überrascht, liess ich nach der Tour an einem Leistungsportzentrum in der Schweiz eine Analyse der Tagesetappen machen, und wurde damit konfrontiert, dass der tägliche Kalorienverbrauch bei einer durchschnittlichen Tagesetappe von 25 – 30 Kilometer bei c.a. 4000 – 5000 Kalorien liegt !! Kein Wunder war der Proviantbeutel andauernd leer…. . 2013 war ich stolz das Netto Gewicht des Rucksacks ( ohne Proviant und Flüssigkeiten ) auf 18 Kilogramm getrimmt zu haben. So konnte ich bis zu meinen vorgängig festgelegten 25 Kilogramm Brutto Gewicht, also 7 Kilogramm Proviant Zuladung einpacken. Trotzdem wurde es immer wieder sehr knapp. Dies hat mich bewogen 2015 das Netto Gewicht nochmals um 4 Kilogramm zu reduzieren, und habe es nun auf knappe 14 Kilogramm einpendeln können, ohne grosse Einschränkungen zu machen. Da wird doch die eine oder andere Schokolade mehr mit können !!

Tiere:

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Nun, es ist immer wieder erstaunlich wieviel Unsinn und noch unsinnigere „Tipps“ man im Internet liest, wenn es um Fauna und Flora geht. Im speziellen, wenn es um Wildtiere geht! Wer sich für viele Wochen in die Wildniss begibt, dem gestehe ich etwas Information und Interesse an der Umwelt zu, somit ist die grösste Gefahr schon gebannt. Es braucht weder Pfefferspray noch Lachgas, oder wie auch schon in einem Forum gelesen, Elektroschocker, um zu überleben. Selbstverständlich gibt es Bären in Norwegen und Schweden, jedoch gibt es die auch in den Wanderferien im Trentino oder Slowenien, und da kommt es niemandem in den Sinn, sich vor dieser Gefahr zu wappnen. Wer einen frischen Bärenhaufen findet, der tut sicher gut daran, die offene Salamipackung nicht als Kopfunterlage im Zelt zu brauchen, und das Handybildschirm füllende Portaitfoto der Elchkuh mit Kalb, wird wahrscheinlich auch nicht ohne Reaktion des Elchs bleiben. Skandinavien kann bedenkenlos durchwandert werden, wenn der gesunde Menschenverstand mitläuft!

Wasser:

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Mehr als genug! Vorallem wenn man schon mal im sommerlichen Spanien 2 Wochen unterwegs war und jeden Tag 4-5 Liter Wasser mitschleppen musste, da wird man die „Wasserbar“ in Norwegen, welche 24 Stunden geöffnet hat, sehr schätzen. Als Daumenregel gilt: Je grösser ( der Wasserlauf ), je schneller ( dass das Gewässer fliesst ), je gesünder !

Ausrüstung:

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Es würde keinen Sinn machen irgendwelche Ausrüstung für eine Langstreckenwanderung zu empfehlen. Hier muss jeder seine eigenen Vorzüge und Erfahrungen einbringen. Mit Sicherheit kann aber der gute Tip gegeben werden, den Fokus klar auf das Gewicht zu setzen. Die Erfahrung zeigt, dass in der Regel viel zu viel Ausrüstung mitgeschleppt wird. Auf einer 2-3 wöchigen Tour kann das zwar lästig werden, ist aber zeitlich begrenzt, und man wird den Rücken zuhause wieder gerade biegen können. Wer aber 3-4 Monate unterwegs sein wird, der tut gut daran das Gewicht so weit wie möglich zu reduzieren. Hinzu kommt der schon angesprochene Punkt des Proviants im Rucksack, dieser sollte soviel Platz wie möglich erhalten. Auch wenn es zu Beginn der Planung oft als lächerlich angesehen wird, an allem und jedem Ding in der Ausrüstung ein paar Gramm zu reduzieren, so sehr wird man es unterwegs schätzen 2, 3 Tafeln Schokolade mehr oder vielleicht einmal eine Büchse Bier an Bord zu haben !

Blog Empfehlungen zu Norge på langs

In der heutigen Zeit entstehen immer mehr Blogs, Webseiten oder Filme auf Youtube. Viele Menschen möchten mit anderen teilen was sie in ihrere Freizeit machen oder unternehmen. Man kann das als Gut oder Schlecht bewerten, das muss jeder mit sich selbst ausmachen, doch es gibt hier noch einen Aspekt mehr. Wer Informationen über etwas bestimmtes sucht, wird schneller fündig. Als ich vor 5 Jahren begann Informationen zu Norge på langs zu suchen, traf ich auf ein fast leeres Internet zu diesem Thema. Per Zufall stiess ich auf Odd Vinjes Norge på langs Liste, diese ermöglichte mir etwas detailliertere Infos zu der Tour zu finden. Heute wird man viel schneller fündig, da sich die meisten Läufer einen Blog anschaffen um ihre Tour zu dokumentieren. Leider werden viele dieser Blogs nach beenden der Tour wieder vom Netz verschwinden und auch ihre zum Teil wertvollen Informationen.

Ich möchte 2 dieser Blogs gerne herausheben. Sie stehen nicht nur als Trip Report da, sondern sind auch auf Informationsaustausch eingerichtet. Steht Willems Tour für das ungewöhnliche, wilde, zeigt Simon das klassische, nicht weniger faszinierende Norge på langs :

Transscandinavia / Willem Vandoorne ( Belgien )

2012 durchquerte Willem Norwegen als Sommertour. Für mich ist dieser Blog ( Englisch ) und diese Tour das absolute Highlight zum Thema Norge på langs. Willem gehört zu den ganz wenigen in den letzten Jahren, der seine Tour komplett auf „Muskelkraft“ ausgelegt hat. Er hat keinerlei motorisierten Hilfen benützt und hat Norwegen an seinen ursprünglichsten Orten durchquert. Um auch an die versteckten Orte Norwegens zu gelangen, nahm er ab der Hälfte der Strecke einen Leicht-Faltkanadier mit, den ihn nun bis in den Norden begleitete. Dieses Boot auch noch mitzuschleppen, bedingte eine sehr rudimentäre Ausrüstung welche kaum Gewicht auf die Waage brachte. Doch es war nicht nur seine Idee, Norge på langs sehr ursprünglich zu durchqueren, er wollte diese Reise auch genaustens dokumentieren. Mit seinem Blog ist Willem ein absolutes Meisterwerk gelungen, in welchem er sehr detailliert die Reise beschreibt, sich sogar Zeit nimmt über Geschichte, Geographie oder Geologie zu berichten. Ohne Zweifel, Willem kann getrost als „Profi“ angesehen werden. Seine Tourberichte von Grönland, Island, den Pyrenäen oder Schottland sind wahre Kunstwerke und lassen wahrscheinlich jeden in die Welt des Belgiers eintauchen. Ab Dezember 2014 wird Willem sich nun die Südinsel Neuseelands vornehmen, man kann gespannt sein…………!

– Simon pa tur / Simon Michalowicz ( Deutschland )

Ich lernte Simon Ende 2012 via Internet kennen. Er war wie ich in der Vorbereitung zu Norge på langs 2013, und suchte im Internet nach Informationen, als er auf meinen Blog traf. Wir tauschten uns aus und halfen uns gegenseitig mit Informationen, welche die Tour betrafen. Simon würde 3 Wochen nach mir starten und hatte 4 Monate eingerechnet, so war ein Treffen unterwegs nicht geplant. Simon erwischte den ersten wirklich guten Sommer in Norwegen seit vielen Jahren. Gerade mal 3 Wochen nach mir hatte sich die Tour wieder etwas von all dem Wasser erholt, die Bedingungen waren deutlich besser, was Simon natürlich sehr entgegen kam. Er erlebte eine Traumtour durch Norwegen und erreichte das Nordkap exakt auf den Winteranfang. Wer in Simons Blog eintaucht wird sehr schnell feststellen, Simon hat Norge på langs nicht gelaufen, er hat Norge på langs gelebt und dies mit jeder seiner Zellen. Die Begeisterung für die Tour sprudelt, die Faszination seiner Einträge geben Anlass zum Träumen. Man kann seine Tour gewiss als Traumreise benennen…….. sie hat es verdient! Man kann gespannt sein, was da noch kommen mag……….!

Norge på langs

Wie man sich auch immer entscheiden wird. Wer sich auf den Weg macht, Norwegen der Länge nach zu durchqueren, der wird nicht nur einfach wandern, sondern er wird ein Abenteuer erleben. Es wird ein Lebensabschnitt sein, welcher lange nachwirken wird. Ich habe viele NPL –  Läufer kennegelernt, ihre Geschichten gehört und mit meinen verglichen. Es ist ein bleibendes Erlebniss, eine Faszination der besonderen Art. Verändern wird es kein Leben, aber mit Sicherheit beeinflussen und vielleicht den Blickwinkel auf viele Dinge in dieser Welt etwas schärfen. Es kann ein ausbrechen aus der Gesellschaft sein, mit Sicherheit aber keine Flucht davor oder von sich selbst. Es braucht viel weniger Mut dazu ein solches Abenteuer zu erleben, als die Überwindung der Angst, irgendjemandem oder irgendetwas zu verletzen oder negativ zu verändern. Wie hat schon Chris mc Candless alias Alex Supertramp in „Into the wild“ gesagt:

When you want something in life you just gotta reach out and grab it.“ ( Wenn du etwas im Leben willst, musst du nur deine Hand ausstrecken und es dir nehmen.)

Man empfindet nicht nur grosse Dankbarkeit eine solche Tour durchführen zu dürfen, es ist eine grosse Demut gegenüber dieser Welt und des Lebens.

6 Gedanken zu „Norge på langs

  1. Hi Martin!

    Just found your website through the Norwegian NPL-page on Wikipedia! Great plan, looking forward to read about your trip. Are you going on skies for the first stretch? Maybe it’s in your text, but I don’t understand German 🙂

    All the best with your preparations!
    Willem

    • Hi Willem
      Thank you for your post.
      Congratulations for your Norge på langs 2012, what a great trip!
      I will send you a mail
      Kind regards

      Martin

  2. Knut

    Hallo Martin,

    war gerade dabei mein Fernweh via Internet zu nähren. Bin dabei über die NPL-Seite zu dir gelangt. Eine tolle Seite und Euphorie ist spürbar. Ich wünsche dir tolle Erlebnisse mit Land und Leuten. Alles Gute.

    Viele Grüße aus Norddeutschland.

    Knut

  3. Conny

    Lieber Tinel
    Ich wünsche dir in den letzten Tagen gute Vorbereitung, vor lauter Aufregung ein flaues Gefühl im Magen und dass es dann endlich losgehen möge. Ich kann mir vorstellen, dass dir auf dieser Tour viele Gedanken durch den Kopf gehen werden, du die Natur geniessen kannst (wie sonst kaum möglich), die Eindrücke aufsaugen kannst und dass du spannende Begegnungen mit Einheimischen haben wirst. Pass auf dich auf!
    Conny

    • Hallo Conny!

      Herzlichen Dank für Deinen Post (könnt ja jetzt wieder doppelten Sinn machen mit dem Post 😉 ).
      Selbstverständlich werd ich auf mich aufpassen und der mit dem geniessen…… das ist wohl Ehrensache!
      LG Martin

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