Depots (Proviant + Ersatzmaterial)*


Wer auf eine sehr lange Wanderung geht, sich an Orten aufhält, an welchen kaum oder sehr wenig Zivilisation vorhanden ist, der muss sich ein paar zusätzliche Gedanken machen.

  • Wie sieht es mit dem Proviant aus?
  • Wo kriege ich Ersatzmaterial her?
  • Wie sieht es mit Ersatzkleidern oder Schuhen aus?
  • Brauche ich unterwegs spezielle Medikamente?
  • Welche Landkarten benötige ich, wann und wo?

Die Liste könnte noch viel mehr Punkte beinhalten, aber grundsätzlich ist klar, ich kann nicht alles mitnehmen und bin darauf angewiesen, unterwegs Zugriff auf all die benötigten Sachen zu haben. Also muss ich irgendwo Depotstellen einrichten, wenn ich nicht überall alles zusammenkaufen will. Auch dies wäre natürlich irgendwie möglich, doch bekomme ich auch das was ich benötige und wie gross ist der Aufwand, an die Sachen heranzukommen?

Ein paar Dinge muss man sich bei einer Deponierung bewusst sein:

  • Man bindet sich an eine fixe Route, oder muss vielleicht dann lange Umwege gehen, um an die Pakete heranzukommen.
  • Ist der Ort der Deponierung vertrauenswürdig?
  • Wie lange wird das Paket dort aufbewahrt?
  • Wie hoch sind anfallende Kosten für die Deponierung?

Zu Beginn meiner Norge på langs Planung hat mich dieses Thema ziemlich beschäftigt. Denn wie organisiere ich das alles, so dass es auf den Punkt funktioniert. Zum Glück hatte ich mit meinem Schwiegervater, der in Südnorwegen in seinem Ferienhaus jeden Sommer verbrachte, quasi einen Joker. So gab ich ihm all die Pakete für den Postversand im Frühling mit nach Norwegen und ich konnte ihn nun von unterwegs avisieren, mir diese an vorbestimmte Orte hinzusenden.

Drei der 2013er Depotpakete

Der Versand aus der Schweiz, hätte mich satte hundert Schweizer Franken pro Paket gekostet und da es durch den Zoll musste, konnte ich nicht alles mitgeben. Mit all den Kosten und den Umständen, wäre ich preislich gleichweit gewesen, wie wenn ich alles in Norwegen gekauft hätte. Und genau da liegt der springende Punkt, warum viele Wanderer sich die ganzen Sachen nach Norwegen nachsenden lassen:

Die Kosten

Norwegen ist selbst für einen Schweizer teuer und das heisst schon mal was. Die Ersparnis beim heimischen Kauf von Trockennahrung, Ersatzwäsche oder Schuhen ist sehr gross. Wenn man aber den Postversand nach Norwegen hinzurechnet, dann sind wir in etwa auf den norwegischen Preisen = Ersparnis gleich Null! Der Ärger mit den Depot-Orten, dem Zoll und der Post noch nicht mit eingerechnet.
Ersparnis hin oder her (wer eine solche Reise tut, der muss schlussendlich auch damit rechnen, dass dies etwas kostet!). Also stellt sich grundsätzlich die Frage: Was brauche ich unbedingt in einem Depot?
Zum einen sind das sicher persönliche Dinge, die man unterwegs nicht so einfach erstehen kann: Medikamente, spez. Schuhe und Kleider, Landkarten usw. Oftmals sind das Dinge, die man nicht alle 1-2 Wochen neu benötigt, daher sollte man prüfen, ob es nicht mehr Sinn macht, einen Ruhetag in der Nähe eines grösseren Dorfes oder einer Kleinstadt zu machen, wo die Infrastruktur zum einkaufen gegeben ist.


Ich habe während meiner Tour und in den kleineren Touren danach die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich gar nicht so ein grosses Problem darstellt, wie man sich dies zu Beginn vorstellt. Bei einer erneuten Planung, stünden bei mir vielleicht noch fünf oder sechs Depots für das ganze Land auf der Liste. Norwegen besitzt eine ungeheure Vielzahl an kleinen Läden, Tankstellen mit einem Shop Angebot, Super Märkte mit angeschlossenen Apotheken und Sportgeschäften usw. entlang der Strecke. Es gibt unterwegs viele Stellen, an denen man in unmittelbarer Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs vorbeikommt und selbst der altbewährte „Daumen raus“ funktioniert auf norwegischen Strassen sehr gut.

Eine grosse Hilfe um all die Einkaufsmöglichkeiten zu checken, ist schlicht und einfach die Google Maps Karte. Dort ist heute praktisch die ganze Infrastruktur drin und ich habe schon Bauklötze gestaunt, wo ich überall einkaufen könnte. Wenn man seine Route mit Pins auf der Karte absteckt und dann der Linie folgt, hat man sehr schnell einen guten Überblick über die Infrastruktur entlang der Strecke.

Depot-Standorte

Falls man sich entschieden hat, Pakete in ein Depot zu senden, kommt natürlich die Frage auf wohin. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Poste restante: Die gute alte Variante der postlagernden Sendung. Norwegen und Schweden haben kaum mehr spezialisierte Poststellen. Praktisch alle kleineren Filialen wurden geschlossen und in Partnerbetriebe, den sogenannten Agenturen ausgelagert. Das sind Lebensmittelläden, Super Märkte, Apotheken, Tankstellen usw.
    Obwohl dieser Dienst immer noch angeboten wird, rate ich persönlich davon ab. Die max. Lagerzeit beträgt zwei Wochen, an einigen Orten werden happige Gebühren fällig und die Lagerorte sind alles andere als perfekt. Immer wieder sind Pakete nicht vor Ort oder Agenturvertreter senden die Pakete nach ein paar Tagen wieder zurück, weil sie im Weg sind. Nur in Ausnahmefällen empfehlenswert und wenn, dann nur in Rücksprache mit der Agentur!
  • Unterkünfte / Campingplätze: Wer so oder so in einer Unterkunft oder auf einem Camping, eine Übernachtung einplant, der wird dort meist auf viel Wohlwollen der Betreiber stossen. Eine Mail, eine telefonische Nachfrage mit der höflichen Bitte einer Annahme und Lagerung eines Pakets, wird selten abgelehnt. (Als Dank einen kleinen Geldschein oder eine Tafel Schokolade hat übrigens schon manch einem nachfolgenden Wanderer für dessen Paket, Tür und Tor geöffnet.) Dies ist eine sehr gute und sichere Möglichkeit für eine Deponierung. Empfehlenswert!
    Bitte niemals ungefragt Pakete an solche Orte versenden! Dies passiert leider immer wieder und so werden oft willige Paketaufbewahrer vergrault.
  • Private Adressen: Wer in Norwegen Leute kennt, der wird mit Sicherheit die beste Möglichkeit zur Deponierung haben. Norweger haben sehr oft Beziehungskontakte über das ganze Land (Familie, Verwandtschaft oder Freunde) die auch für weitere Depots nützlich sein könnten. Bei Privatadressen ist man meist auch unabhängig vom Ort selber. Pakete können an gewünschten Orten kurzfristig hinterlegt werden, was alles einiges flexibler macht.
    Unbedingt empfehlenswert!

Ich veröffentliche hier mit Absicht, keine der mir mittlerweile vielen bekannten Adressen oder Kontakte. Diese können sehr gerne unter Angabe der Region bei mir nachgefragt werden.
Kontakte und Tipps bekommt man natürlich auch bei anderen ehemaligen Norge på langs Läufer/innen oder in den bekannten Outdoor-Foren.

Paket Transport

Leider gibt die Variante mit der Post immer wieder Grund zum Ärger. Pakete kommen nicht an, wurden an die falschen Orte geschickt, oder aus was auch immer für Gründen, zurückgeschickt. Auch der Zoll spielt hier oft ein übles Spiel mit, wehe dem, der etwas unerlaubtes im Paket hat und sei es noch so marginal!

Eine oft gestellte Frage ist die nach dem Versand von Camping Gas. Ich arbeite selber in der Logistikbranche und habe eine Spezialausbildung im Transport von Gefahrengüter absolviert. Ich kann so nur immer wieder darauf hinweisen, dass es strengstens verboten ist, leicht entzündliche Materialien, Sprengkörper, Treibstoffe und auch GASE per Post zu versenden! Dies wurde mir auch von allen offiziellen Versandlogistikfirmen in Skandinavien bestätigt. Gilt übrigens auch überall in Europa und Weltweit.
Wer erwischt wird (Stichproben im Versand) muss mit sehr empfindlichen Strafen und einer Anzeige rechnen.
Grundsätzlich muss allerdings auch festgehalten werden, dass Camping Gas und Brennstoffe überall im Land ohne Probleme, zu vernünftigen Preisen, erhältlich ist. Gas nach Norwegen zu versenden würde bedeuten, Wasser in den See zu tragen 😉

Die Kosten für den Versand sind je nach Versandland unterschiedlich teuer und sollten vorher abgeklärt werden. Unter Umständen ist der Erwerb in Norwegen dann sogar billiger.

Wer Glück hat, findet aber vielleicht jemanden (Soziale Medien, Foren), der zig tausenden Urlaubern und Camper, die jedes Jahr von Mitteleuropa aus nach Norwegen in den Urlaub ziehen. Ein oder mehrere Pakete dort mitzugeben, würde natürlich sehr viel Geld sparen und das Paket würde auch sicher vor Ort gelangen.

Fazit der Deponierung

Proviant- und Materialdeponierung ist gut möglich, hat aber den einen oder anderen Haken. Wenn dringend benötigte Ersatzschuhe nicht vor Ort sind, Landkarten verschwunden oder ein Depotpaket mit der leckeren heimischen Schokolade, drei Wochen vor einem Fenster in der Sonne stand, dann wird das ärgerlich. Wenn z.B. dringend benötigte Medikamente fehlen, die unter Umständen in Norwegen nicht erhältlich sind, dann wird es übel!
Nach vielleicht zwei harten Wochen mit miserablem Wetter, an einem Depotstandort anzukommen, das Paket zu öffnen und viele leckere Dinge von Zuhause auszupacken, vielleicht noch eine kleine, liebevolle Überraschung vom Partner/Familie drin vorzufinden, kann überaus motivierend sein!

Abzuschätzen was wichtig ist und was nicht, was sich lohnt und was nicht, ist bei diesem Organisationspunkt nicht einfach. In all den Jahren in denen ich nun unterwegs bin, habe ich immer wieder gestaunt über die Vielfältigkeit und vor allem dem Ideenreichtum, den viele Menschen dabei entwickeln. Und ich habe immer wieder dazu gelernt, meine persönlichen Präferenzen entwickelt, so dass ich heute ganz automatisch, das für mich richtig mache. Auch hier gilt: Die Erfahrung macht den Meister 😉