Erste Hilfe (Notsender)


Kaum jemand unternimmt heutzutage eine längere Wanderung, eine Bergtour oder sonstiges Abenteuer, ohne das ein Notsender mit im Gepäck ist. Das digitale Sicherheitsgefühl hat das Outdoorleben mittlerweile voll im Griff und die Entwicklung geht rasend schnell vorwärts.

Waren es vor zehn Jahren noch deren zwei grosse Anbieter, zum einen DeLorme und natürlich der Platzhirsch SPOT, gibt es mit InReach und Garmin und vielen weiteren, kleineren Anbietern mittlerweile mächtig Konkurrenz auf dem Markt.
DeLorme ist mittlerweile als eigenständige Marke verschwunden und in den InReach Konzern eingebettet worden und gleichzeitig setzt auch Garmin auf die InReach Gruppe und deren Know How.
SPOT ist aber bis heute der Platzhirsch geblieben und verfügt nun auch über eigene Satelliten und deren Netzwerke. Garmin setzt hier mit der InReach Technologie auf das Iridium Satellitensystem und ist ebenfalls praktisch bei einer 100% Abdeckung der Erde.

Egal für was ein Gerät man sich entscheidet, schadet es nicht, ein klein wenig über die Funktion dieser Geräte zu wissen und vor allem auch über deren Limiten. Auch wenn uns die Werbung so ziemlich alles verspricht und eine 100% Sicherheit vorgaukeln will, so einfach ist es nicht.

Ganz klar muss festgehalten werden, dass ein Notsender nichts anderes ist, als eine sinnvolle ERGÄNZUNG für die Erste Hilfe. So wie keine Rettungsweste totalen Schutz auf stürmischer See bietet, auch kein Sicherheitsgurt einen schweren Unfall verhindert. Aber es kann das Risiko, in eine sehr unvorteilhafte Situation zu geraten, deutlich minimieren oder sogar verhindern.

Grundsätzlich muss man sich bei der Anschaffung eines Notsenders ein paar Punkte bewusst werden:

  • Jedes technische Gerät funktioniert nur mit Strom. Wer seine Tour mit den in den meisten Notsendern vorhandenen Tracking Modus im 2-Minuten Takt aufzeichnet, wird über kurz oder lang seine Batterien entladen haben. Man sollte sich bewusst sein, dass man die Energieversorgung des Notsenders nicht zu sehr belastet!
  • Die Satellitenabdeckung ist bei allen Geräten mittlerweile sehr hoch. Seien es die Globalstar Satelliten bei SPOT oder die Iridium Satelliten bei Garmin/InReach. Eine hundertprozentige Abdeckung gibt es aber bis heute nicht. Gerade der hohe Norden und auch der hohe Süden auf der Südhalbkugel sind weit weniger von einem dichten Satellitennetzwerk umgeben, wie zum Beispiel Mitteleuropa oder Amerika. Auch wenn Notsignale mittlerweile auch von externen Satelliten (Zivil wie Militär) aufgenommen werden können, gibt es immer wieder „Löcher“ in denen ein Notsignal stecken bleiben kann!
  • Geologische Hindernisse und Gravitationsbarrieren. Ein tiefes Tal, dichtes Laubwerk über dem Sender, Sonneneruptionen oder starke Wellenstrahlung können ein Signal blockieren. Das absetzen eines Notsignals muss unter freiem Himmel stattfinden (wenn möglich!), ansonsten läuft man Gefahr, dass der SOS Alarm nirgends ankommt.
  • Bei einem absetzen eines Alarms, kann unter Umständen eine Hundertschaft ausrücken, um die Search And Rescue-Mission in die Wege zu leiten. Wer sich also praktischerweise nur mit dem Taxi „ausfliegen“ lassen will, sollte sich bewusst sein, dass dies ein enorm hoher Preis zur Folge haben kann. Wie zu Beginn der 2000 Jahre in Kanada:

Die Geschichte (nach wahren Begebenheiten) von Jason und Nik welche mit ihrem Kanu, nach einem Gewittersturm, auf dem Klondike in Alaska kenterten. Ihr Angelurlaub endete beinahe tragisch, doch beide konnten sich unmittelbar bei ihrem Camp an Land retten und das Kanu festmachen. Ihr Camp befand sich unter einer grossen Felswand, vor Wind und Regen geschützt. Den beiden war ausser einem grossen Schreck nichts passiert, sie waren kurz darauf in Sicherheit. Um den Schock zu verdauen, widmeten sich die beiden ihrem restlichen Alkoholvorrat und gossen die restlichen Biere und Whiskys in sich hinein, bis alles weg war. Nachdem die beiden so breit wie die Schotten waren und die Nacht über sie herein brach, kam Nik auf die glorreiche Idee, man könnte doch nun mit dem SPOT Notsender entweder Nachschub oder das Taxi nach Hause bestellen. Und so aktivierte er den Alarm.

In der SPOT Zentrale konnte nun aber das Signal nicht genau zugeordnet werden, da die beiden etwas versteckt unter einer Felswand sassen. Man versuchte krampfhaft das Gebiet für die Suchaktion einzugrenzen, doch es gelang nicht und man alarmierte die Kanadische Air Force. Diese hatten zu diesem Zeitpunkt einen AWACS Luftaufklärer in der Nähe in der Luft und beorderten das Flugzeug über das mögliche Zielgebiet des Signals. Die Air Force konnte schlussendlich das Gebiet einschränken und somit konnte die Such- und Rettungsaktion in der Morgendämmerung anlaufen.
Jason und Nik waren mittlerweile im Reich der Träume angekommen und verschliefen den Tagesanbruch, nichtsahnend dass gleichzeitig vier Hubschrauber, zwei Boote und rund hundert Retter zu Fuss, zu Wasser und in der Luft auf dem Weg zu ihnen waren.
Nach wenigen Stunden konnten die beiden friedlich schlafend, inmitten von zig Bier- und Whiskyflaschen aufgefunden werden. Man kann sich das erstaunte Erwachen der beiden nur annähernd vorstellen und sich fragen, welcher Schock nun grösser war, der vom kentern oder der der Ankunft der Rettungsleute.

Es war schnell offensichtlich dass die beiden wohlauf waren, abgesehen vom folgenden Kater, und die Rückkehr in die Zivilisation problemlos machbar gewesen wäre. Schlussendlich entschied ein Gericht, dass die beiden dazu verdonnert werden, die gesamten! Kosten der Aktion zu übernehmen, da dies den Tatbestand von Fahrlässigkeit und zum Teil sogar Vorsatz erfüllte. Hinzu kam, dass die beiden keine Haftpflicht- oder sonstige Versicherung hatten.
Man munkelt bis heute, dass sich die Gesamtkosten der Aktion nur wenige Dollar unterhalb der Millionengrenze befanden. Dies war auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass alleine die AWACS Maschine mit knappen 8000 Dollar in der Minute zu Buche steht.

  • Es ist unbedingt darauf zu achten, dass zum Erwerb eines Notsenders auch an eine Versicherung gedacht wird. Meist bieten die Anbieter der Sender gleich selbst einen solchen Versicherungsschutz an, der mit ein paar Dollar/Euro im Jahr nicht gross ins Gewicht fällt. Eine versehentliche Auslösung einer Rettungsaktion, kann schnell sehr teuer werden.
    Dies kann sehr nützlich sein, wenn es zu so einer kommt, so wie 2014 bei Connie und Arne auf Norge på langs:

Die beiden waren gerade in Trøndelag unterwegs, als Arne bei einer Bachüberquerung ausglitt und unglücklich stürzte. Er fiel vorne über und schlug mit der Brust auf dem Boden auf. Er blieb ein paar Sekunden benommen liegen, bis er wieder zu Atem kam. Er bemerkte nicht, dass ein spitzer Stein seine Jackentasche durchbohrte und exakt auf die SOS-Klappe seines SPOT Notsenders drückte. (Um einen Alarm auszulösen, muss man die Plastikklappe hochheben und den Alarmknopf ein paar Sekunden gedrückt halten, ansonsten kann kein Signal abgesetzt werden. Diese zwei Punkte verhindern ein unabsichtliches absetzen eines Notrufs.) Der Druck des Steins und der heftige Aufschlag hatte genügt, dass ein Alarm ausgelöst wurde.
Arne war ausser ein paar Schrammen und dem Schreck nichts passiert und die beiden machten sich nach einer kurzen Pause wieder auf dem Weg. Schon knapp eine Stunde später hörten sie das knattern eines Hubschraubers, der in ihrer Nähe scheinbar etwas suchte. Die Maschine kam immer näher, als ihnen auf dem Weg, der auch von vierrädrigen Quads der Jäger benutzt wurde, genau solche Fahrzeuge entgegenkamen. Drei Stück an der Zahl mit je zwei Personen besetzt, hielten bei ihnen an, während der Hubschrauber in der Nähe landete.

Ein Polizist kam auf sie zu und fragte: „Seid ihr Arne und Connie auf Norge på langs?“ Die beiden fielen beinahe in Ohnmacht und bekamen einen ordentlichen Schreck. Woher wusste der Mann das? (Wer ein Notsender erwirbt, registriert sich beim Hersteller mit den gewünschten Daten, Namen, Kontaktadressen im Notfall und die mögliche Region in der man unterwegs ist oder die Absicht der Tour. Diese Daten werden bei der Alarmierung in der Notfallzentrale sichtbar.) Arne fiel es nun wie Schuppen von den Augen und er griff sofort in seine Brusttasche der Jacke. Tatsächlich war der Notsender im oberen Teil leicht beschädigt, die Klappe eingedrückt und die kleine Not LED blinkte rot. Den beiden war dies mehr als peinlich, doch die Rettungsleute beruhigten die zwei. Hauptsache sie waren gesund und wohlauf.
Die Sache war schnell abgetan, da Arne und Connie versichert waren und auch glaubwürdig den Hergang der Alarmierung erklären konnten. Die Geschichte erzählten mir die beiden, als ich sie auf meiner NPL-Tour 2015 in Trondheim traf. Sie waren immer noch sehr beeindruckt von dem Vorfall und staunten, wie schnell Hilfe vor Ort gewesen war.

  • Es ist nicht nur eine moralische oder ethische Frage, jemandem in Not zu helfen. Wir sind auch vor dem Gesetz verpflichtet Hilfe zu leisten, wenn wir an einen Unfallort hinkommen. Die Hilfestellung nimmt leider in der heutigen Zeit immer mehr ab. Dies zeigen auch von Fernsehsendern gestellte Unfälle mit Personen am Boden, welche zum Teil sehr lange warten müssen, bis sich endlich jemand um sie kümmert. Ist es fachliche Unwissenheit, ist man einfach zu bequem und läuft einfach weiter oder, was heute auch immer mehr zum Thema wird, hat man Angst irgendwie in einen Rechtstreit zu gelangen, wenn etwas schief läuft beim helfen?
    Was ist, wenn ich irgendwo in der Natur auf eine verunfallte Person treffe. Ich bin alleine und habe keine Möglichkeit die Rettung zu informieren (keine Mobilfunkabdeckung)?
    Der Griff zum Notsender fällt vielen wahrscheinlich schwer, weil damit auch Zuhause (bei der angegeben Notfall-Kontaktperson), der Alarm losgeht und nun der Partner, Familie oder Freunde wissen, es ist etwas passiert! Natürlich gehen alle davon aus, dass das Unglück mich persönlich betrifft, eine schreckliche Vorstellung für die Daheimgebliebenen.
    Daher ist es sehr wichtig, die Person/nen die für den Notfall hinterlegt sind, im Vorfeld zu informieren, dass ein Alarm nicht zwingend bedeutet, dass es einen persönlichen Unfall gegeben hat:

Cato, Anders und Vegard waren 2013 in der Finnmark auf Norge på langs unterwegs, als sie auf einen Wanderer trafen, der sich ein Fussgelenk gebrochen hatte. Der Unfall war eben passiert und es war ein enormes Glück, dass die drei in dieser verlassenen Gegend auf diesen Mann trafen. Schnell war klar, dass es ohne Rettung nicht gehen würde. Zu Fuss würde es zu lange dauern um Hilfe zu holen und es gab keinen Mobilfunkempfang. Die drei hatten einen Notsender bei sich und alarmierten ohne zu zögern, auch im Bewusstsein dass dies Zuhause bei den Eltern, wohl gerade einen ziemlichen Schreck auslösen würde.
Nach zwei Stunden erreichte ein Grosshubschrauber der Küstenwache die Unfallstelle und kurz darauf auch ein Ambulanzhubschrauber der Norsk Luftambulanse.
Der Mann wurde in das nächste Spital geflogen und war innerhalb kürzester Zeit in Sicherheit. Die drei Jungen wurden später für diese Alarmierung ausgezeichnet.

Doch was war mit den Eltern, die irrtümlich an einen folgenschweren Unfall ihrer Jungs dachten?
Die drei informierten die Rettungskräfte noch vor Ort, dass es ein persönlicher Notsender sei und nun Zuhause wohl der Eindruck eines Unglücks herrsche. Der Pilot der Küstenwache nahm sofort Kontakt mit der Einsatzzentrale auf und übermittelte eine Telefonnummer eines der Elternpaare. Die Einsatzzentrale wiederum informierte die Eltern, dass alles in Ordnung sei und der Alarm jemand anderem gegolten habe.

Für einen solchen Fall der Alarmierung für Dritte, sollte diesem Punkt grösste Beachtung geschenkt werden. Nicht auszudenken, wenn die Daheimgebliebenen über Stunden, vielleicht Tage keine Ahnung haben, was passiert und wie schlimm es ist. Für diesen Fall habe ich immer eine Karte mit dem Namen, Wohnort und der Telefonnummer der Kontaktperson Zuhause, auf mir. So kann ich beim eintreffen der Rettung auch gleich diesen Kontakt weitergeben, damit Zuhause Entwarnung gegeben werden kann. Dies wird von den Rettungsleuten auch unmittelbar erledigt. Die Daheimgebliebenen werden es danken!

Persönlicher Notsender:

Ich bin seit vielen Jahren ein überzeugter „SPOTianer“. Nicht dass ich die Konkurrenzprodukte als weniger gut taxieren würde, für mich gibt es einfach ein paar überzeugende Pluspunkte.
SPOT setzt seit Jahren fast kompromisslos auf die Karte Notsender. Selbstverständlich hat sich das Produkt auch weiterentwickelt und so gehört ein Tracking Modus seit langem ins Repertoire des Gerätes. Mit ihren eigenen Satelliten und der Zusammenarbeit mit anderen Anbietern auf dem zivilen wie militärischen Segment, hat sich SPOT bis heute zum arriviertesten Anbieter solcher Lösungen gemacht. Die eigenständige Alarmzentrale und das hervorragende Handling weltweit mit allen nationalen Rettungsorganisationen, bringt eine grosse Effizienz und Sicherheit mit sich. Tausende von erfolgreichen Rettungen zeugen von der Professionalität dieses Anbieters.

Da ich oft auch kürzere Touren tracke, oder auch weglose Parts aufzeichne, um später Zuhause noch einmal alles nachzubearbeiten, ist für mich eine gute Energieverwaltung des Notsenders sehr wichtig.
Mit einem 10 Minuten Tracking (alle zehn Minuten wird eine Positionsmeldung abgegeben, die z.B. auch live Zuhause auf einem Computer betrachtet werden kann) und einer durchschnittlichen Tageswanderzeit von 12 Std., erreiche ich so mit vier AA Batterien eine Laufzeit von fünf bis sechs Tagen. Ohne Tracking ist die Laufzeit natürlich deutlich länger! Für den Notfall habe ich immer vier Reservebatterien im Rucksack.

SPOT hat schon früh neben der reinen Alarmierung, auch mit Einweg Kommunikation und später mit der Zweiweg Kommunikation erfolgreich gearbeitet. Schon vor Jahren konnte mit dem ersten Zweiweg Notsender „SPOT Connect“ eine begrenzte Anzahl Zeichen als SMS gesendet werden. Heute ist dies bei den neusten Geräten von SPOT Standard. Aber trotz all der Neuentwicklungen, beharrt SPOT weiterhin auch auf einen reinen Notsender im Sortiment. Während Konkurrenzprodukte immer mehr in die multimediale Zone vordringen, wo Datenabruf, Kommunikation etc. bald mehr Gewicht erhalten, als der Notruf selber.

Wichtig zu wissen, dass alle zusätzlichen Dienste zum Teil enorm teuer sind und es schlussendlich fraglich ist, ob man das wirklich braucht! Die heutige Zeit setzt praktisch überall eine 24 Std./7 Tage Erreichbarkeit voraus. Ob dies nun auch irgendwo auf einer Wanderung sein muss, wo man mal Ruhe hätte und einfach die Natur geniessen kann, muss hier wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich für mich, geniesse immer wieder diese stillen Momente in denen ich einfach mal unerreichbar bin und ich auch nicht permanent von der Aussenwelt abgelenkt werde.

Mein treuer Begleiter: SPOT Gen 3

Wer aber zum Beispiel interessiert ist, ein GPS mit dem Notsender zu koppeln, vermehrt auf eine Zweiweg Kommunikation setzen will, oder sogar die Garmin Smartwatch verbinden möchte, der wird sich wahrscheinlich eher für die InReach Geräte von Garmin entscheiden.

Bei kleineren Anbietern sollte im Vorfeld immer abgeklärt werden, wie Notrufe verarbeitet werden. Werden Notsignale einfach nur weitergeleitet, oder ist eine eigenständige Zentrale für die Verarbeitung zuständig. Ist der Anbieter in irgendeiner Weise mit nationalen Rettungsorganisationen vertraglich verbunden und besteht eine enge Zusammenarbeit. Diese Faktoren sind sehr wichtig, um eine reibungslose Rettung zu gewährleisten.

Die zum Teil teuren Jahresabonnemente für die Dienstleistungen der Notsender, können bei den meisten Anbieter auch auf bestimmte Zeiträume beschränkt werden.

Wer sich also dazu entscheidet einen Notsender anzuschaffen, ist sicher auch gut daran, sich in einem Fachgeschäft über die Funktionalität beraten zu lassen.
Es lohnt sich auf alle Fälle, dem Notsender genug Aufmerksamkeit zu spenden. Obwohl man ihn wahrscheinlich (hoffentlich!) nie brauchen wird, so wird er umso wichtiger, wenn es eben dann doch passiert!