Das fehlende Puzzle Teil (NPL 2024)


Es war eine heftige Zeit als Anja und ich 2024 in Grotli ankamen. Nach Monaten NPL hatte ich mich so unendlich auf die zwei Wochen mit Anja gefreut und nun war diese Zeit schon wieder vorbei. Eine atemberaubende Zeit war es in dem wunderschönen Troll- und Reinheimen, aber mein Weiterweg nach Lindesnes stand an. Anja musste nach Hause zurückkehren und ich würde, wieder alleine, Richtung Breheimen und Jotunheimen ziehen.
Doch nicht nur die Trennung beschäftigte mich, auch der aufkommende Schneesturm sollte meine weiteren Pläne heftig beeinflussen. Nach tagelangem Studieren von dutzenden Karten und Wetterprognosen stand fest, ich musste den nächsten Abschnitt aus Sicherheitsgründen auslassen. Eine Strassenumgehung würde viele Tage zusätzlich benötigen und weder Spass noch Sinn machen. Ich nahm mit Anja den Bus nach Lillehammer und fuhr danach wieder rüber nach Tyinkrysset, von wo aus ich schlussendlich einen sensationell schönen Schluss meiner zweiten NPL Tour machen konnte.

Ich hatte mich lange auf diesen Teil gefreut, Berge, Gletscher, Fels und Eis, da kann sich ein Bergler wie ich nur Zuhause fühlen. Doch das Wetter machte mir einen dicken Strich durch die Rechnung. Allerdings wollte ich nicht hadern, denn bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich so viel Glück und es sollte danach ja noch besser kommen.
Es war klar, dass ich diesen Teil irgendwann nachholen wollte und nun stehe ich also vor Breheimen und es ist endlich soweit. Ein kurzes Zeitfenster ermöglicht mir die kurze Tour ins 2026 einzufügen und dies auch noch vor der Hauptferienzeit.

Von der Schweiz aus nach Grotli zu kommen, erweist sich in der Planung allerdings als Herkulesaufgabe. Ich müsste mindestens zwei Übernachtungen einplanen und loslaufen könnte ich erst Mitte des dritten Tages. Definitiv zu viel bei gerade mal 10 Tagen Zeit. Zwei Täler südlicher liegt in Wurfweite von Grotli die bediente DNT Hütte Sota Sæter und diese ist sogar mit einem Ruftaxi von Skjåk/Bismo in einer halben Stunde zu erreichen. So kann ich von Zuhause aus am gleichen Tag noch Skjåk/Bismo erreichen, dort übernachten und am Morgen dann von Sota Sæter aus losziehen. Dass ich dabei die zwei Tagesetappen von Grotli nach Skridelaupbu und von dort nach Slæom verpasse, ist schade, aber ich kann es verschmerzen. Ich war mir eh nicht ganz sicher, ob ich in Grotli nicht zu viele Erinnerungen in den Rucksack packen würde. So kann ich einen alten Plan mit einem neuen Start versehen, auch nicht ganz schlecht.

Die Anreise nach Skjåk/Bismo ist zwar mit fast 13 Std. sehr lang, aber machbar und verläuft problemlos. Vielleicht erwähnenswert: Innlandtraffiken bietet diesen Sommer alle Bustickets für 10 Kronen!! (Das ist nicht mal 1 Fränkli, Euroli) an, egal wie weit man fährt. Bei mir waren es 3.5 Std. Busfahrt… nicht schlecht, Herr Specht! Im Skjåk Turistheim gibt es eine komfortable Übernachtung mit Frühstück und am Abend noch die Gelegenheit nebenan im Kro zu essen, bis um 22.00 im Extra einzukaufen und an der Tankstelle eine Gaskartusche zu erwerben. Wahrscheinlich zum halben Preis, im Gegensatz zum unweit daneben gelegenen Touristenhotspot Lom.

Skjåk Turisthotel Bismo

Am Morgen klappt das mit dem Ruftaxi hervorragend. Dieses musste ich am Vorabend telefonisch reservieren. Die halbstündige Fahrt nach Sota Sæter ist eine wahre Augenweide und erinnert landschaftlich sehr an Reinheimen. Kein Wunder, es liegt ja auch gleich nördlich gelegen.
Sota Sæter ist eine bediente «Hütte» und auch mit Privatauto über eine kleine Gebührenstrasse erreichbar. Darum herrscht hier sehr viel Betrieb, auch ausserhalb der Saison, die gerade erst beginnt. Bis vor einer Woche war das Gebiet noch den Rentieren und ihrem Nachwuchs vorbehalten und deshalb war alles geschlossen. Die Tiere dürfen in dieser Zeit keinesfalls gestört werden und so nimmt man auch bei den selbstbedienten, kleineren Hütten die Schlösser ab.
Das Gebiet um Sota Sæter bietet hervorragende Wandermöglichkeiten. Es eignet sich auch für Familien sehr gut und man ist in guter Reichweite der grossen Gletscher von Breheimen und Jostedalsbren.
Im Taxibus ist noch ein schottisches Pärchen, das sich 17 Tage planlos im Gebiet rumschlagen will und ein junger Norweger, der im Eilzugstempo in 12 Tagen nach Haukeliseter runter will. Etwas neidisch schaue ich auf den etwa vier bis fünf Kilogramm schweren Rucksack des Norwegers und schaue meinen vollbepackten Exped an. Nun gut, auch der ist irgendwo bei «nur» 12, 13 Kilogramm und nicht eine Schwerlast.
Aber mir wird schlagartig bewusst, dass ich definitiv mehr in Nordnorwegen unterwegs bin als im Süden. Hier unten haben die selbstbedienten Hütten alle Proviantlager, die jetzt im Frühsommer gut gefüllt sind, da diese im Winter mit den Schneemobilen bedient werden. Zusätzlich hat es einige bediente Hütten mit Halbpension und alle Unterkünfte liegen in mittlerer bis kurzer Distanz auseinander. Es bräuchte weder Zelt, noch Küche, noch grosse Proviantvorräte auf dem Rücken, ausser man lässt natürlich die DNT Hütten aus. Und so wie ich mich kenne, wird das mehrheitlich eine Hüttentour, da ich diese ja über alles liebe. Naja, irgendwann wird es der Martin schon noch lernen!
Was soll’s, jetzt bin ich hier und das ist die Hauptsache. Mittlerweile aus Gewohnheit, schaue ich mir die Hüttenbelegungen an, da diese ja nun alle ein Reservationssystem für 50%, zum Teil bis 75% der Betten haben. Da ich meinen Weg geplant habe, kann ich die Betten auch gleich reservieren. Kurzfristig etwas ändern liegt dann halt nicht drin, denn ab Sota Sæter ist’s aus mit Mobilfunkempfang. Das zeigt einmal mehr die Untauglichkeit des Systems. Natürlich wird man auch ohne Reservation Platz in der Hütte haben, halt dann vielleicht nur auf einer Matratze in der Küche. Jetzt in der Vorsaison sollte das kein Problem sein und doch erwische ich eine Hütte, die schon fast voll ist. Nun bin ich aber durchgecheckt und habe für jede Nacht ein Bett. Falls es dann wettermässig doch noch eine Zeltnacht geben wird, dann ist halt die Hütte bezahlt, den Verlust muss ich akzeptieren.

Sota Sæter DNT

Tag 1 / Sota Sæter DNT-Slæom DNT

Obwohl ich von Sota Sæter direkt in die Sprongdalshütte wandern könnte, möchte ich im Mysubyttdalen die Slæomhütte als erste Hütte anlaufen. Von dort könnte ich weglos über einen Sattel zur Sprongdalshütte gehen, falls es aber zuviel Schnee hat, müsste ich halt wieder neun Kilometer zurücklaufen. Die Slæomhütte sitzt mir aber tief im Kopf und das Tal soll wunderschön sein, also plane ich das so ein. Schon in Skjåk/Bismo habe ich gesehen, dass es auf den oberen Bergkuppen nicht mehr allzu viel Schnee hat und durch die hier herrschende grosse Trockenheit werden auch die Bäche kein grosses Problem darstellen.

Mysubyttdalen

So laufe ich denn los und bewege mich noch für fünf Kilometer auf einer schmalen Kiessstrasse bis zum Parkplatz in Mysubytt. Von dort zweigt der Track zum einen nach Sprongdalen ab und der zweite Weg nach Slæom. Das weite Tal wird vor allem durch das türkisblaue Gewässer des Mysubytta geprägt und durch die höheren Firnfelder von Breheimen. Es ist einmalig schön und jetzt im Frühsommer mit den Blumen, dem Gewässer und der klaren Luft, ein Farbenspiel sondergleichen.

Der Track ist schön und einfach zu gehen. Erst vier, fünf Kilometer vor der Hütte wird es etwas blockig. Schon von weitem sehe ich den Sattel für den morgigen Tag. Die paar Schneeresten werden kein Problem darstellen und von der Hütte sind es nur noch knapp 100 Höhenmeter etwas steiler hoch zu gehen. Die eng anliegenden Höhenkurven dahinter werden dann wohl eher noch Überraschungen zu bieten haben, aber auch diese sollten gut zu umgehen sein. Der weglose Teil ist bei rund 20 Kilometer bis zur Sprogdalshütte also auch nicht allzu lange.

Tiefster Punkt im Sattel: Eingang ins Tal Kupløyftet

Die Wetteraussichten zeigen zwei Übergangstage mit etwas mehr Wolken und danach herrlichstes Sommerwetter. Einzig für morgen könnte es am Morgen noch etwas Nebel haben. Mal schauen und sonst geht es halt wieder zurück auf den Track nach Sprongdals. Das Tal ist wunderschön, wild und einsam. Der Abstecher hat sich definitiv gelohnt!

Slæom Hütte DNT

Nach 15 Kilometern kommt auch schon die Slæomhütte in Sicht und ist kurz darauf erreicht. Wieder eine absolut tolle und gemütliche Hütte in einer einzigartigen Umgebung. Ob ich heute alleine bleibe? Der Proviantraum ist proppenvoll, aber ich bin ja froh, wenn ich zuerst meine Vorräte abbaue, die ich hierher geschleppt habe 😉
Und dann gibt es ja auch noch was zu feiern. Ich hatte gehofft, dass ich es noch auf NPL schaffe, aber um eine Hütte habe ich es dann doch verpasst.
Die Slæom DNT Hütte ist meine 200. DNT Hütte in Norwegen. Wohl ein weiterer Beweis, dass ich die Dinger wirklich mag.

Ein paar Regenschauer und eisiger Wind lassen den Abend  in der Hütte noch gemütlicher werden. Der Ofen bollert, der Kaffee dampft und Essen ist genug da.

Das Wetter soll ab Morgen auf schön umschlagen und auch die Temperaturen sollen deutlich ansteigen. Perfekt, denn ich plane, nicht wieder die neun Kilometer zur Abzweigung zurückzulaufen um in die Sprongdalshütte zu gelangen. Ich will rund 18-20 Kilometer off track quer durch den Nationalpark, entlang der Gletscher zur Hütte gelangen. Anhand der Karte sollte dies gehen, aber es wird wohl «rocky».
Mittlerweile ist auch ein junger Deutscher in der Hütte eingetroffen. Er ist von Grotli über die Skridelaupbu DNT Hütte gekommen, so wie ich es ursprünglich geplant hatte. Als er mir davon erzählt, dass es in der kleinen Skridelaupbu Hütte nur so von Mäusen wimmelte und es mehr als schmuddelig war, bin ich nun gar nicht mehr so enttäuscht über mein Alternativprogramm!

Tag 2 / Slæom DNT-Sprongdalshytte DNT

Der Morgen erwacht mit einem stahlblauen Himmel und einigen eisigen Windböen. Das Thermometer zeigt gerade mal 2° Grad an. Es ist 6.00 aber hier ist die Sonne schon höher gestiegen. Ich frühstücke und mache mich dann auf, die erste Geländestufe zu erklimmen.

Weglos hoch zum Sattel
Die letzten Schneefelder 2026

Trotz dem Wind stehen mir schon bald die ersten Schweissperlen auf der Stirn. Doch das Terrain ist wunderbar zu gehen, zumindest mit meinem hervorragenden Aequilibrium von La Sportiva. Steine und Kanten sind keine Probleme und der Schuh «klebt» auf dem Fels wie eine 1! Nach rund 30 Minuten stehe ich 200 Höhenmeter weiter oben und mein Blick geht über das Kupbreen Eisfeld.

Tief unter mir bläst der Wind die Gischt über den türkisgrünen Gletschersee. Immer wieder stemme ich mich gegen die Böen und entschliesse mich, Mütze und Handschuhe hervorzunehmen. (Wie manche/r in der Schweizer Hitze würde mich jetzt wohl beneiden 😉 ).

Es braucht etwas Fussspitzengefühl um sich in diesem Terrain fortzubewegen, aber ich hatte es mir schwieriger vorgestellt. Es hat kaum noch Schnee, was auf einen schneearmen Winter hinweist und es ist viel zu trocken.

Ich erreiche die nächste Anhöhe und hier bleibt mir nur noch ein grosses Staunen… wow!! Die Aussicht auf den riesigen Austdalsgletscher ist überwältigend. Die Seen glitzern in allen türkis- und hellblauen Farben. Der Pegelstand des Kupvatnet liegt massiv tief, hier ist wirklich kaum Schnee geschmolzen.

Austdalsgletscher

Mein Plan geht hervorragend auf und ich kann das Kupløyftet Tal ohne Probleme durchqueren. Der tiefe Pegelstand des Sees ermöglicht mir ein Laufen auf wesentlich einfacherem Terrain.

Schon bald stehe ich vis-à-vis des Gletschers und bin tief beeindruckt. Ich übersteige auf einem Schneefeld eine Kuppe und sehe nun über den ganzen Austdalsvatnet hinunter. Auch hier ist der Pegel extrem tief. Beide Seen sind regulierte Seen, doch da ist wohl nicht Norske Hydropower schuld.
Vor mir liegt die Gletscherzunge, die normalerweise im Wasser liegt. Herabfallende Eisbrocken haben schon des Öfteren am rund 10 Kilometer entfernten Damm Flutwellen bis 30 und mehr Meter ausgelöst.

Auch hier freue ich mich jetzt, die 10 Kilometer auf gutem Fels und Sandbänken Richtung Damm zu laufen. (Auf der Tracking Karte des In Reach von Garmin wird das wohl wieder lustig aussehen… Martin schwimmt😉).

Austalsvatnet

Als ich den riesigen Damm erreiche, wird mir klar, dass ich die geplante Abkürzung über den Berg zur Sprongdalshütte nicht machen kann. Der Weg ist alt und kaum mehr markiert und es hat im steilen Aufstieg zuviel Schnee drin. Das würde nur eine Plackerei bedeuten.

Styggevassdammen

Daher entscheide ich mich für den Umweg. Drei Kilometer entlang der Kraftwerksstrasse runter ins Tal und zum Dessert 400 Höhenmeter wieder steil zur Hütte hoch, wo ich Mitte Nachmittag überglücklich aber müde ankomme.

Umweg über die Kraftwerksstrasse, statt linkerhand die Felsen hoch!
Sprongdalen
Sprongdalen DNT

Die «Abkürzung» war schlussendlich mit 21 Kilometer gleich lang wie der DNT Weg, aber landschaftlich der Hammer!
In der Sprongdalshütte bleibe ich nicht lange alleine. Die Rundtour: Sota Sæter – Sprongdals – Arentzbu – Nørdstedalseter – Sota Sæter ist sehr beliebt und oft begangen. In rund einer Woche kommen dann noch all die Absolventen der Massiv Route des DNTs von Sota Sæter nach Haukeliseter dazu, dann wird’s richtig eng hier, leider. Mit seinen gross beworbenen Distanzwanderungen hat der DNT die eh schon vollen Hütten nun endgültig an den Anschlag gebracht und es empfiehlt sich die Gegend im Juli/ August eher zu meiden. Es wäre auslastungsmässig wohl deutlich sinnvoller gewesen, die Randzeiten etwas zu pushen. Naja, so haben wir zumindest jetzt etwas mehr Platz!
Die rund 10 anderen sehr netten Hüttenbesucher werden mich wohl für die nächsten zwei Übernachtungen begleiten, bis ich mich dann Richtung Sognefjell aufmache.

Es ist immer wieder überraschend, wen man da so auf der Hütte trifft. Da ist dieses Paar aus Holland, Paprikabauern, mal eben 10 Tage in Norwegen unterwegs. Als ich sage, dass ich aus der Schweiz komme, hält er mir sofort die Handykamera hin und zeigt mir ein Bild mit dem Leader der Schweizer Kunstflugstaffel Patrouille Suisse der Armee. Auf dem Bild auch die ganze Familie vereint und ein Denkmal mit einer übel zugerichteten Schwanzflosse eines F5 Kampfjets, inklusive Plakette.
Vor Jahren kollidierten auf einem Trainingsflug vor einer Flugshow zwei Jets der Kunstflugstaffel über Holland. Ein Jet stürzte dabei ab… mitten in den Garten der Familie der beiden vor mir Sitzenden. 30 Meter neben dem Haus krachte der Jet in den Rasen, der Pilot durchschlug das Dach des Gewächshauses, hinter ihm der Schleudersitz ebenso. Und das alles etwa 50 Meter neben 30 Erntehelfern! Der Pilot erlitt einen Fussbruch, ansonsten war niemand zu Schaden gekommen. Aber allen war klar, das hätte zur grössten Flugzeugkatastrophe Hollands werden können. Nun hat der Pilot sich bei allen für die Hilfe nach dem Unglück bedankt und als Erinnerung das Denkmal gespendet. Was für eine Geschichte.

Tag 3 / Sprongdalshytte DNT-Arentzbu DNT

Der Morgen erwacht in Sprongdalen und draussen ziehen dicke Nebelschwaden durch. Die Etappe nach Arentzbu ist relativ kurz, hat aber zu Beginn einen knackigen Anstieg. Ich warte bis 9.00, der Nebel scheint hartnäckig zu sein. So packe ich meine Siebensachen und mache mich an den steilen Aufstieg.

Die Markierungen sind sehr ausgeblichen und der Nebel hilft bei der Orientierung auch nicht viel. Aber heutzutage ist das ja auch kein grosses Problem mehr… Handy raus, GPS und Karte geladen und schon weiss ich wieder, wo ich bin und wo der Weg durchgeht.
Erst als ich den Sattel bei 1500 MüM erreiche, lichtet sich der Nebel und sogar die Sonne blinzelt durch. Es ist eine sehr steinige Angelegenheit, doch ich mag das ja und so «hüpfe» ich mehr durch das Greindalen, als dass ich laufe.

Greindalen

Das Wetter wird immer schöner und die Landschaft erinnert mich immer mehr an das Narvikfjell. Das Hochtal zieht sich entlang einiger Seen. Es hat nur noch wenig Schnee, aussergewöhnlich wenig dieses Jahr.

Der Weg verliert nach 10 Kilometern immer mehr an Höhe und die Vegetation hält wieder Einzug. Mittlerweile ist es strahlend schön und die Temperatur klettert stetig an. Nach dem gestrigen anstrengenden Tag spüre ich langsam die Müdigkeit aufsteigen. Dieses Jahr hatte ich nicht viel Lauftraining und das spüre ich nun deutlich. Aber was soll’s, einen Gang zurückschalten und geniessen.

Schon bald stehe ich vor der DNT Hütte Arentzbu. Was für ein wunderschöner Ort hier. Vor dem Haus hat es einen gewaltigen Wasserfall mit der Brücke, die ich morgen brauchen werde und darunter einen herrlichen Pool zum baden. Der Ort ist phantastisch, schön dass ich schon etwas früher hier bin und es noch etwas geniessen kann.

Arentzbu DNT

Langsam trudeln auch die andern von der Sprongdalshütte ein und schon bald sitzen wir in fast vertrauter Runde in der Sonne und geniessen den Abend.

Die Arentzbu Hütte trägt den Namen von Fredrik Arentz. Der norwegische Arzt und Geologe war ein begeisterter Wanderer und sehr oft in Norwegen unterwegs. Die Idee, entlang der Wege Hütten zu erstellen, hatte er gemein mit anderen grossen Norwegern wie z.B. Olav Thon. In deren Namen wurden später Stiftungen gegründet, die das Ziel haben, solche Hütten zu unterhalten und weiterleben zu lassen. So findet man auch heute noch sehr viele Hütten in ganz Norwegen, die eine Arentz-Plakete an der Wand hängen haben. Eine grossartige Leistung, danke!

Tag 4 / Arentzbu DNT-Nørdstedalseter DNT

Für den nächsten Tag ist wieder ein steiler Anstieg auf dem Programm. So wie in Norwegen üblich, geht es in Direttissima den Berg hoch, egal wie anstrengend oder nicht. Während die Schweizer schöne, lange Serpentinen bauen, machen es die Nordländer radikal.

Linkerhand geht es gleich 500 Höhenmeter steil hoch zum Oksli (Berg im Schatten)
Rausdalen
Spørteggbreen

Die Sonne drückt schon ordentlich und ich wuchte mich die 400 Höhenmeter hoch. Klatschnass und mit ordentlichem Geschnaufe, komme ich auf der Terrasse an und erfreue mich ab dem leisen, kühlen Lüftlein, das hier weht.

Mørkrisdalen

Der Weg zieht wunderschön hoch über dem Rausdalen talauswärts und biegt dann östlich ab ins Gravdalen. Immer in Sichtweite, die Eiskappe des Spørteggbreen westlich des Rausdalen. Oberhalb meines Weges liegt schon der nächste Gletscher, der Harbardsbreen.

Harbardsbreen

Einmal mehr wird der Gebietsnamen Breheimen seiner Bedeutung gerecht: Da wo die Gletscher wohnen.

Die Sonne brennt mittlerweile heftig vom Himmel und lässt den Schweiss wie Schmelzwasser laufen. Am höchsten und «kühlsten» Punkt im Gravdalen mache ich eine Pause. Schon bald holt mich auch Mona ein. Die 65 jährige topfitte Bäuerin aus Skjåk gehört auch zu der «Sprongdalsfamilie, die sich nun Abends immer wieder auf der Hütte trifft. Sie erzählt mir viel aus der Gegend und dem Leben in Breheimen. Sie kennt das Gebiet vor allem im Winter mit Skitouren und erforscht nun auch die Sommerseite. Die Glückliche besitzt auch eine schöne Hütte in Sota Sæter.
Vor uns liegt nun noch ein Abstieg in die bediente DNT Hütte in Nørdstedalseter. Zuerst noch gemächlich, wird der letzte Teil schon fast senkrecht.

Leirvatnet
Gravdalsvatnet
Wenn schon keine Ren, dann wenigstens Wollfabriken
Gravdalsvatnet
Die Kraftwerksstrasse, die zur Nørdstedalseter Hütte führt.

Ein atemberaubender Blick auf den Fivlemyrane Stausee mit seinem extremen Türkisgrün begleitet mich durch den Abstieg.

Fivlemyrane Stausee
Am Horizont führt der Weg zurück nach Sota Sæter
Der Abstieg mitten durch die Felsen

Die Hitze macht mir langsam zu schaffen und ich fühle eher 30 Kilometer in den Beinen und nicht nur 17 Kilometer. Die grosse Herberge erreiche ich über einen kurzen Abschnitt der Kraftwerkstrasse und rieche schon das kühle Bier.

Die bediente DNT Hütte Nørdstedalseter

Eine kalte Dusche, frisch eingekleidet und zufrieden an einem Bier nippend, geniesse ich den letzten Teil des Tages in der schönen Herbergsstube. Mit Mona, dem holländischen Paar (ich nenne sie mittlerweile die «Tigers», in Anlehnung an den Flugzeugabsturz des F5 Tiger), sowie einem älteren, norwegischem Paar aus Romsdal, erreicht die «Familie» Nørdstedalseter.
In einem gemütlichen Séparée der Gaststube können wir alle zusammen das Abendessen geniessen. Ab Morgen trennt sich mein Weg von den anderen. Während alle nach Sota Sæter zurückkehren, wird mein Weg zur Sognefjellshütte weitergehen. Eigentlich schade, denn Mona hat alle in ihre Hütte eingeladen, um den Fussball-Viertelfinal Norwegen-England bei ein paar gemütlichen Bierchen zu feiern. Norwegen ist ja seit dem Einzug ihrer 11 in den WM-Viertelfinal total aus dem Häuschen.
Aber ich habe schon alle Unterkünfte bis Tyinholmen gebucht und ich freue mich ja auch, den verpassten NPL-Teil nachzuholen. Dies bei schönstem und besten Wetter.
Die «Familie» ist etwas beunruhigt wegen morgen. Alle müssen rund 26-27 Kilometer mit vielen Höhenmetern zurücklegen und wenn morgen die Sonne so runterhämmert wie heute… dann viel Spass! Die Prognosen zeigen allerdings einen etwas bedeckten Himmel während des ganzen Tages, das lässt uns hoffen.

Tag 5 / Nørdstedalseter DNT-Sognefjellshytta (Privat)


Es ist leicht neblig und tatsächlich, die Wolken bedecken den Himmel am Morgen. Nach einem reichlichen Frühstück starte ich auf die ersten 700 Höhenmeter. Trotz der Wolken ist es noch schwül und ich schwitze, dass es nur so runterläuft.

Der Aufstieg „schaft“ mich!

Das Vetledalen bietet mir aber genau das norwegische Gelände und Klima, wie ich es liebe. Die Temperatur nimmt fortlaufend ab und ein kühler Wind begrüsst mich in dieser rauen aber wunderschönen Landschaft.

Kunstwerke, wie sie nur das Fjell hervorbringt

Der erahnte Schnee ist erst ab 1500 Metern ein Thema und hilft mir mehr im Vorwärtskommen, als er hinderlich wäre. Da die Sonne nicht scheint, ist er kompakt und griffig. Ich komme schnell voran und erreiche schon bald den höchsten Punkt des Tages.

In der Schweiz vermelden sie gerade über 30° Grad!

Die befürchtet zähe Tagestour läuft wie geschmiert und die Kilometer fliessen nur so dahin. Die etwas fehlenden Weitsichten stören mich heute nicht, denn ab morgen wird bei bestem Wetter alles wieder nachgeholt.
Es folgt ein langer Abstieg zum Storevatnet und eine ziemlich nervende acht Kilometer lange Umrundung des Südteils des Sees. Hier wäre es deutlich kürzer gegangen, aber die Kraftwerkbetreiber wollen keine Menschen auf ihren Dämmen und verbarrikadieren alles.

Storevatnet

Als ich dann nach erneutem Anstieg endlich den Damm erreiche, geht mein Blick zum Himmel. Seit ca. zwei Stunden schiebt sich der blaue Himmel immer näher an mich heran. Was eigentlich erfreulich wäre, doch der gestrige Tag hat mir gezeigt, wie brütend es werden kann und meine Kraft und Ausdauer geht dann definitiv flöten.

Auf der Karte sehe ich eine kleine Strasse, die zur Hauptstrasse am Sognefjell führt. Ich entscheide mich für die effizientere, schnellere Lösung der Strasse, statt nochmals acht Kilometer ewiges auf und ab im Fjell.
Die Strecke lege ich im Schnelltempo zurück und habe das grosse Glück, nur noch die letzte halbe Stunde in der Sonne zu laufen. Nun brät es aber richtig runter und ich spüre schon das prickelnd kalte Bier meinen Hals runterfliessen.

Leirbrean
Zeitzeugen der alten Telegraphenleitung über das Sognefjell
Sognefjellhytta

An der Sognefjellshütte ist bei diesem Wetterchen natürlich die Hölle los. Aber wer will das den Leuten auch verübeln. Was für grandiose Aussichten auf das Fannaråki Gebirge, den Gletscher und vis-à-vis das Smørstabbsmassiv mit seinen Eiskappen.

Fannaråki Massiv
Smørstabbsmassiv

Mein reserviertes Zimmer steht bereit und die kalte Dusche wartet. Herrlich nach diesem Tag hier abzusteigen.

Auch noch Thesis Trainingszimmer zu bekommen… ich fühle mich geehrt 😉

Natürlich ist es auch etwas Glück, dass ich ausgerechnet am entscheidenden Match der Norweger hier bin. Die Leinwand ist aufgebaut und im Haus herrscht eine erwartungsvolle und fröhliche Stimmung.

Nach einem herrlichen Abendessenbuffet, hänge ich noch etwas in der modernen Vorhalle des Hauses ab und wandere noch kurz zum beeindruckenden Aussichtsplatz des Sognefjell hoch. Was für eine Wahnsinns Abendstimmung!

Sognefjellhytta


Mit rund 100 Norwegern den Fussballmatch zu schauen ist ein köstliches Abenteuer… was da mal gerudert wird… Ro, Ro, Ro😉 Dass Norwegen das Spiel verliert, wird sicherlich enttäuscht zur Kenntnis genommen, aber alle würdigen die Leistung, das Fest, der neue Zusammenhalt im Land.

Norge hat an dieser WM definitiv nur gewonnen. Gratulerer!

Die Nacht ist dementsprechend auch etwas kürzer, aber heute habe ich nur eine überschaubare Etappe nach Skogdalsbøen vor mir. Und erst noch alles abwärts!

Tag 6 / Sognefjellshytta-Skogdalsbøen DNT

Der Morgen könnte nicht schöner sein und lässt mich ein paar Mal tief Luft holen. Die Schönheit der Landschaft übertüncht den touristischen Flair auf dem Fjell vollends. Es ist absolut windstill und die Sonne brennt schon wieder heftig runter. Ein klein wenig hilft die Höhe von rund 1400 Metern, die Hitze etwas zu verdrängen.

Schon nach kurzer Zeit geht der Weg steil runter und etliche Höhenmeter werden abgebaut.

Blick ins Vetle Utladalen

Immer wieder laufe ich durch wahre Blumenfelder, ergiessen sich Schmelzwasserbäche die Hänge runter. Doch eines vermisse ich schon seit Tagen: Tiere! Es scheint sich wieder um eines dieser Jahre zu handeln, wo das Fjell wie ausgestorben wirkt. Ich habe das schon mal im Narvikfjell erlebt. Ein alter Sami hat mir erzählt, dass das mit dem Fernbleiben der Lemminge zu tun hat. Keine Lemminge, keine Raubvögel, keine sonstige Nager. Selbst die Rentiere ziehen sich in versteckte Täler und Hochebenen zurück. Warum selbst Rentiere darauf reagieren, weiss niemand.
Schade, denke ich, ein paar wilde Rentiere zu sehen, wäre schon schön gewesen. Doch sicherlich hilft die Wärme auch nicht, die Tiere werden wohl viel weiter oben an der Kühle sein.

Skagatølstindane
Vetle Utladalen

Aber es mangelt auch noch an anderem. Erst heute kommt mir seit Beginn der Tour jemand entgegen. Ich habe es ehrlich gesagt aber auch nicht vermisst!
Als ich fast 600 Höhenmeter abgebaut habe, sehe ich in der Ferne die grosse, bediente DNT Skogdalsbøen. Hier habe ich ein Bett reserviert und freu mich schon auf alle Annehmlichkeiten, wie Dusche, leckeres Essen und ein kühlendes Bier (wasdennsonst 😉 ).

Noch fehlen drei Kilometer

Die Skogdalsbøen ist ein altes aber wunderschön restauriertes Haus, urgemütlich, urtümlich und sehr einladend.

Das sehr junge Hüttenwartspaar ist überaus freundlich und macht uns allen den Aufenthalt zum Genuss! In der Ferne sieht man, exponiert auf dem Fannaråkiberg, die höchste DNT Hütte Norwegens.

DNT Hütte Fannaråki

Gäste hier in der Skogdalsbøen, welche gestern oben waren, berichten, dass ein Drittel der Fannaråki Gäste auf der Terrasse schlafen mussten. Die Hütte ist schon jetzt für 2026 mehr oder weniger komplett ausgebucht und wird richtiggehend gestürmt. Die Lage ist halt schon einzigartig und bei den Touristen sehr beliebt. 2026 muss man wegen Schneemangels sogar sein eigenes Wasser hochschleppen!
Da lob ich mir mein kleines IPA auf der Terrasse der Skogdalsbøen.

Tag 7 / Skogdalsbøen DNT-Tyinholmen (Privat)

Das Hüttenwartspaar hat ausnahmsweise das Frühstück schon ab 7.00 angesetzt, damit man am Morgen früh losgehen kann. Das kommt mir sehr gelegen, denn heute geht es zuerst sehr steil hoch und dann den ganzen Tag durch die Blockfelder und Steinwüsten ins Uradalen hinein.

Zum Glück weht auch noch ein bisschen Wind und so ist es ganz gut auszuhalten. Das immer steiniger werdende Karr ist mit einem guten Weg durchzogen. Man spürt schon deutlich, dass diese Gegend mehr begangen wird als andere Gebiete in der Region. Das Uradalen allerdings wird oft umgangen, da es einen eher schlechten Ruf wegen dem Geröll auf der Ostseite hat.

Ringstindane
Uradalen

Das lange Trogtal ist wunderschön und der Blick auf die beiden zackigen Uranostinden ist eindrücklich.
Als ich auf dem Pass ankomme, dem Uradalsbandet, entdecke ich tatsächlich ganz frische Rentierspuren im Schnee. Und obwohl ich fast eine halbe Stunde mit dem Fernglas die Gegend absuche, sind die Tiere in dieser Steinlandschaft nicht zu entdecken. Naja, immerhin Spuren.
Der Blick vom Pass aus geht auf den grossen See Uradalsvatnet. Das Wasser ist dermassen klar, dass man selbst die kleinsten Details am Grund erkennen kann. Am liebsten gleich reinstürzen ist mein Gedanke, aber Stopp… das Wasser ist eisig kalt. Da bleibt es dann nur beim Fussbad.

Uradalsvatnet
Uradalsbandet
Im Hintergrund die beiden Uranostinden
Uranostinden

Nachdem der See der Länge nach begangen ist, geht es über eine steile Stufe zum Kvitevatnet hoch. Ein See nach dem anderen folgt nun und die Blicke in die Ferne verändern sich permanent. Die Uranostinden werden zu spitzen Pyramiden und einer der wohl berühmtesten Jotunheimer, der Falketind, entwickelt sich zur mächtigen Haiflosse. Die Seen sind kitschig türkisfarben vor lauter Gletschersedimenten. Das Auge bekommt eine ordentliche Portion Schönheit zu sehen!

Pazifik?
Falketind
Kvitevatnet und Uranostinden mit dem Uranosbreen

So langsam neigt sich meine Tour nun dem Ende zu. Noch der Abstieg zur altehrwürdigen Tyinholmen Fjellstue ist zu bewältigen, dann sind 135 Kilometer und rund 6000 Höhenmeter Aufstieg Geschichte.

Erfrischung am laufenden Meter
Rusteggvatnet

Was für ein absolutes Wetterglück hier in den norwegischen Alpen! Auch das Menschenaufkommen hielt sich noch in Grenzen. Das wird in ein oder zwei Wochen ganz anders aussehen. Je näher ich an den Tyinsee herankomme, häufen sich die Begegnungen mit Menschen. Die grossen Hotspots in Fondsbu und Eidsbugarden liegen keine 5,6 Kilometer von hier entfernt. Hinzu kommt eine halbe Stadt aus Ferienhäusern in der gleichen Gegend.

Der riesige Tyinsee kommt in Sicht
Tyinholmen Høyfjellstuer

Nach einer wohltuenden Dusche und einer leckeren Waffel mit Kaffee, sitze ich auf der Terrasse der Fjellstue und blicke über den riesigen Tyinsee. Es war ein relativ anstrengendes Stück so ohne Training, aber ein umso schöneres. Ganz klar wurde mir in diesen Tagen, 2024 hätte ich keine Chance gehabt hier durchzukommen. Die Entscheidung war goldrichtig. Dazu hatte ich jetzt auch Zeit, es etwas gemächlicher anzugehen und die Tage zu geniessen.

Am Abend sitze ich gemütlich beim Essen in der altehrwürdigen Gaststube des Høyfjellhotels. Neben mir sitzt Eric, ein 67 jähriger, mehr oder weniger Einheimischer, ebenfalls beim Abendessen. Er lebt in Oslo, hat aber hier in Fondsbu eine ganz kleine Ferienhütte, in welche er sich zurückzieht, wenn die Stadt zu eng wird. Mit Eric komme ich sofort ins Gespräch und er erzählt mir viel über sein abenteuerliches Leben als Kameramann. Er ist nicht irgendein Kameramann, sondern eine lebende Legende in Norwegen und auch in Hollywood. Er war leitender Kameramann in Leonardo di Caprios Film „The Beach“ und nennt ihn und viele weitere Hollywoodstars Freunde. Er ist ein Leben lang in der ganzen Welt herumgekommen, hat Filme gedreht, tausende Commercials produziert. Wie jenen, den er vor über 30 Jahren genau hier oberhalb von Tyinholmen für Carlsberg gedreht hat.

Zwei ganze Wochen gedreht für 30 Sekunden Werbung!

Eric imponiert mir und seine Worte sind weise gewählt. Er hat viel Schönes, aber auch sehr viel Negatives, erlebt in seinem Leben, aber er ist ein einfacher und mit sich selbst zufriedener Mensch geblieben.

Kurz nach dem Frühstück taucht er wieder im Hotel auf und wir trinken vor meiner Abfahrt nochmals zwei Kaffees miteinander. Er ist fasziniert von den NPL Wanderungen und würde sich so etwas sehr wünschen. Doch jetzt sei er zu alt dafür, aber er würde sein mittlerweile sehr ruhiges Leben hier oben geniessen.
Eine Begegnung, die mir mit Dankbarkeit in Erinnerung bleiben wird!

Mein Plan war, von hier die 20 Kilometer bis Tyinkrysset zu laufen und um 13.30 den Bus nach Oslo zu nehmen. Damit wäre mein NPL 2024 Kreis geschlossen. Doch für heute sind über 25°Grad angesagt und die Strasse ist extrem befahren. Ich staune, was für ein Verkehr hier herrscht. Die Gegend um Fondsbu am Bygdinsee ist alles andere als einsam. Und wenn von hier aus erst noch ein Linienbus verkehrt, dann wäre ich schön dumm, dies nicht zu nutzen, gerade wenn er einen super Anschluss am Mittag auf einen Bus nach Oslo hat. Die Busfahrt zeigt dann auch, dass es selbstmörderisch gewesen wäre, an dieser Strasse entlang zu laufen, gerade bei diesen Temperaturen!
Es hätte auf der anderen Seite des Sees einen Wanderweg zur Slettningsbu DNT gegeben, aber dazu hätte ich einen Tag mehr haben müssen.

Doch es passt absolut, so wie es ist und ich bin überaus zufrieden. Die Gegend hier entspricht mir landschaftlich sehr, aber das Gewusel, die vielen Menschen, der Kommerz sind mir zu viel, das entspricht nicht meinem Norwegen. Da liebe ich Gegenden wie z.B. die in Slæom zu sehr. Das hier überlasse ich lieber anderen oder kehre zurück, wenn es ruhiger ist.

Die kurze Tour hat sich aber mehr als gelohnt und mein Wetterglück spricht für sich. Die Nationalpärke Breheimen, Jostedalsbren und Jotunheimen sind wahre Augenweiden und haben viel Ähnlichkeit zu den Schweizer Alpen. Was hier aber zusätzlich sehr positiv mitspielt, ist die zum Teil grosse Einsamkeit, die Weite und die Rauheit, die diese Gegend mit sich bringt. Die Einzigartigkeit aller Komponenten macht dieses Land einzigartig, ob Finnmark, Narvikfjell, die sumpfige Mitte mit Trøndelag oder die Hochebenen von Hardanger und Vesthei, die grossen Berge von Jotunheimen, oder die Heimat der Gletscher mit Breheimen.

Es ist fast immer unmöglich, die Faszination in Worte zu fassen. Man muss es erlebt haben, sich in diese Welt hineinbegeben haben, um nur annähernd zu verstehen, wo man sich befindet. Die Emotionen folgen dann ganz von selbst.

Bis zum nächsten Mal Norge!

Aber ich freue mich nun natürlich auch sehr, wieder nach Hause ins Paradies zu gehen , kommend aus einem anderen Paradies.
Tusen takk Norge für die schöne Zeit und… vi ses, ha det bra!





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